Man hört und liest es immer wieder: Alleinerziehende haben es schwer. Zumindest schwerer als Eltern die alles zu zweit tragen können: die Kinder, den Haushalt, die Arbeit und die Verantwortung. Doch wie ist das in Mainz und Umgebung? Mit welchen Hürden sehen sich Alleinerziehende in unserer Region tagtäglich konfrontiert? Darüber habe ich mich mit Iris Davroux vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter in Rheinland-Pfalz e.V. (VAMV) unterhalten. Und auch über die Chancen, die sich ihnen bieten.

Frau Davroux, Sie bieten eine Online-Beratung für Alleinerziehende Eltern an. Warum ist das „online“ so wichtig?

Alleinerziehende haben oft mit Zeitknappheit zu kämpfen. Öffnungszeiten können da eine große Hürde darstellen. Unsere Online-Beratung ist kostenlos, auf Wunsch anonym und vor allem 24 Stunden am Tag verfügbar. So können sich die Eltern in aller Ruhe an den Computer setzen, sobald die Kinder im Bett liegen.

Was sind die Hauptthemen in dieser Beratung?

Für Eltern, die allein erziehen, steht leider oft an erster Stelle die Frage der Existenzsicherung. Ohne Partner ist es schwer das nötige Geld zu verdienen, wenn die Arbeitszeiten nicht zu den Betreuungszeiten passen. So kommt beispielsweise ein Job im Einzelhandel für Alleinerziehende kaum in Frage. In ganz Rheinlandpfalz gibt es nur eine Kita mit Schichtbetrieb, nämlich in Montabaur. Dieser Mangel an strukturellen Möglichkeiten lässt Alleinerziehende, meist Frauen, schnell unter die Armutsgrenze fallen.

Wie können Sie alleinerziehende Eltern unterstützen?

Oft fehlt den Eltern schlichtweg die nötige Information, was Ihnen für Hilfeleistungen zustehen. Wir beraten sie und helfen ihnen auch, diese einzufordern. Denn der Umgang mit den Ämtern kann zermürbend sein. Den alleinstehenden Eltern werden nicht selten noch zusätzlich Steine in den Weg gelegt.

Woran meinen Sie, könnte diese Diskriminierung von Alleinerziehenden liegen?

Einerseits Unwissenheit, denn viele Menschen können sich nicht vorstellen, wie hart es sein kann, die Verantwortung für Kind, Haushalt und Einkommen ganz alleine zu tragen. Außerdem sehen sich gerade im ländlichen Raum vor allem alleinerziehende Mütter mit Vorurteilen und verkrusteten Denkweisen konfrontiert. Da schiebt man dann der Frau die Schuld für ihre prekäre Lage in die Schuhe, denn schließlich konnte sie ihren Mann nicht halten. Die Betroffenen reagieren oft mit Scham und Schuldgefühlen, was die Situation für sie und ihre Kinder nicht einfacher macht.

Gibt es Orte, wo sich alleinerziehende Mütter und Väter austauschen können?

Solche Orte der Vernetzung gibt es. Sie werden ehrenamtlich von den Eltern selbst geleitet. Hier in Mainz findet z.B. einmal im Monat ein Stammtisch statt. Über solche und andere Termine informieren wir auch auf unserer Homepage.

Was würde Ihrer Meinung nach das Leben von Alleinerziehenden in Mainz einfacher zu machen?

Kinderbetreuung auch nach 17 Uhr und bezahlbarer Wohnraum stehen ganz oben auf der Liste. Wenn eine alleinerziehende Mutter aus ihrer Wohnung raus muss, weil sie den Vorschriften den Amtes nicht entspricht, dann steht sie vor einer fast unlösbaren Aufgabe: eine bezahlbare Wohnung in Mainz finden.

Vielen Dank, Frau Davroux. Ich hoffe, dass sich die Online-Beratung des VAMV etabliert, aus dem Modellprojekt eine feste Institution wird und somit das Leben vieler Alleinerziehenden und ihrer Kinder in Mainz und Umgebung vereinfacht.

An alle anderen: Hier geht’s zur Online-Beratung. Empfehlt es fleißig weiter.

über die Autorin

Charlotte

Charlotte

Zugezogene Mainzerin, aus Liebesgründen hier hängen geblieben, Mutter von einem Wiesbadener (*2013), einem Meenzer Bub (*2015) und einem Meedsche (*2017), ehemals Klein-Gastronomin, immer noch Kaffeeliebhaberin, Stadtbummlerin und eigentlich, tief im Herzen, ein Dorfkind.

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