Ich habe in meinem Bekanntenkreis das ganze Meinungsspektrum erlebt: Frauen, die ihn komplett ablehnen, Frauen, die ihn hinnehmen und Frauen, die ihn sich herbeiwünschen. Wenn es um den Kaiserschnitt geht, scheiden sich die Geister. Auch Krankenhausleitungen scheinen unterschiedliche Einstellungen zum Kaiserschnitt zu haben. Zumindest könnte man das meinen, wenn man sich die Kaiserschnittraten der zwei Mainzer Entbindungshäuser anschaut, die in der Karte von Mother-Hood e.V. sehr übersichtlich dargestellt sind:

Uniklinik 35,86 %,
KKM 19,46 % (beide für das Jahr 2017).

Sicherlich ist die hohe Rate an der Uniklinik auch dem Umstand geschuldet, dass hier viele Risikogeburten hinwandern. Aber erklärt das wirklich eine mehr als doppelt so hohe Kaiserschnittrate?

Zur Erinnerung, die WHO empfiehlt eine Rate unter 15 %. Denn der Kaiserschnitt kann leben retten, bleibt aber ein medizinischer Eingriff, der für Mutter und Kind belastend sein kann und nur im äußersten Notfall durchgeführt werden sollte (siehe Artikel der WHO, wie diesen hier). Auf der Deutschlandkarte von Mother-Hodd e.V. sind gerade mal sechs Kliniken verzeichnet, die unter den 15 % bleiben.

Als einen der Gründe für die stetig ansteigende Kaiserschnittrate in westlichen Ländern, wird immer wieder die unzureichende Unterstützung der Gebärenden durch gut ausgebildete Hebammen genannt. Viel zu wenig freiberufliche Hebammen, die eine 1:1-Betreuung während der Geburt leisten können – davon können auch Mainzer Schwangere und Mütter ein Lied singen (siehe mein Artikel über die Hebammensituation in Mainz).

Die Kaiserschnitt-Karte von Mother-Hood e.V. unterstreicht die vielerorts prekäre Situation der Geburtshilfe in Deutschland. Und sie kann werdenden Müttern bei der Auswahl einer Entbindungsklinik helfen – was auch immer sie vom Kaisernschnitt halten mögen.

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